2022: Anna Burger – (k)ein Schicksal wie viele. „Asozialen“-Verfolgung und Familiengedächtnis


Projektteam: Mag.a Dr.in Brigitte Halbmayr


Finanzierung: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung,  Abteilung Wissenschaft und Forschung
Nationalfonds der Republik Österreich
Zukunftsfonds der Republik Österreich
Österreichische Lagergemeinschaft Ravensbrück & FreundInnen
Crowdfunding


Fertigstellung: März 2023


Niemand war zu Recht im Konzentrationslager, KZ-Haft war per se Unrecht – diese Einsicht setzt sich gut 75 Jahre nach der Befreiung aus den nationalsozialistischen Lagern viel zu langsam durch. Gerade in Bezug auf die damals als ‚Kriminelle‘ oder als ‚Asoziale‘ Verfolgten ist diese Sichtweise noch lange nicht selbstverständlich. Um diese Erkenntnis in der gesellschaftlichen Mitte zu verankern, braucht es die Darstellung individueller Schicksale, die das Unrecht nachvollziehbar machen. Das Forschungsprojekt zur Biografie von Anna Burger ermöglicht dies. Es zeigt, wie rasch jemand in die nationalsozialistische Verfolgungsmaschinerie geraten konnte, wie unerbittlich die damals geltenden rechtlichen wie sozialen Normen durchgesetzt wurden, wie tragisch ein als wertlos eingestuftes Leben enden konnte: Anna Burger wurde im Dezember 1943 im Alter von 30 Jahren im KZ Ravensbrück mittels einer Giftspritze ermordet.

Wie gehen die Kinder, Enkel und Urenkel mit einem derartigen Schicksal in ihrer Familie um? Wissen sie über Annas Leben und Tod Bescheid und was wissen sie konkret? Wollen sie überhaupt wissen? Und darüber hinaus: Wie weit stellen sie eine Beziehung zwischen ihrem eigenen Leben und den Verfolgungserfahrungen von Anna im Nationalsozialismus her?

Das Projekt dokumentiert das Leben und den frühen Tod einer im Nationalsozialismus als ‚asozial‘ gebrandmarkten Frau. Es verknüpft das individuelle Schicksal Anna Burgers und dessen Spuren im Generationengedächtnis mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Verfolgung von als ‚asozial‘ stigmatisierten Frauen und Männern und zur transgenerationellen Weitergabe von Traumata.

Das Projekt ist bereits abgeschlossen. Das darauf basierende Buch ist ab April 2023 in den Buchhandlungen bzw. über den Mandelbaum Verlag zu erhalten.

Brigitte Halbmayr: Brüchiges Schweigen. Tod in Ravensbrück – auf den Spuren von Anna Burger. Wien – Berlin: Mandelbaum 2023