PSYGE – Interventionen in Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen und Partnergewalt


Projektleitung: Karin Liebhart
Projektteam am IKF: Brigitte Temel


Projektpartner/ Bedarfsträger: Institut für Konfliktforschung (Projektleitung)
VICESSE Research GmbH
BMJ – Bundesministerium für Justiz
BMSGPK – Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz


Finanzierung: Das Projekt wurde finanziert im Sicherheitsforschungs-Förderprogramm
KIRAS des Bundesministeriums für Finanzen.


Laufzeit: 01.01.2024 – 30.04.2026

Im Zentrum des Projekts steht die Beziehung zwischen psychischen Erkrankungen und Partnergewalt unter Berücksichtigung von Geschlechtsrollenbildern, konkret von „toxischer“ Männlichkeit. Forschungsarbeiten am IKF zu Gewalt in der Partnerschaft/ Femiziden verweisen bereits seit mehr als zehn Jahren auf das Vorliegen von psychischen Krankheiten bei Tätern als einen möglichen Hochrisikofaktor. Diese Annahme wurde durch eine aktuelle Untersuchung der Frauenmorde in Österreich im Zeitraum 2016 bis 2020 bestätigt (Haller 2012, Haller/Eberhardt/Temel 2023). Während in den USA bereits seit rund dreißig Jahren zum Zusammenhang von Partnergewalt und psychischen Erkrankungen, inklusive Suchtkrankheiten, der Täter geforscht wird (Holtzworth-Munroe & Stuart 1994), fehlen im deutschsprachigen Raum umfassende Studien zum Zusammenhang von psychischen Erkrankungen von Männern, Geschlechtsrollenbildern und Partnergewalt.

Dem Gesundheitssystem kommt grundsätzlich eine zentrale Rolle beim Schutz vor Partnergewalt in der Gewaltprävention zu, weil medizinische Einrichtungen Andockstelle im Fall von Verletzungen aufgrund erlebter Gewalt sind. Allerdings mangelt es innerhalb des Gesundheitssystems an Ressourcen für ein verstärktes Engagement in diesem Bereich, zudem fehlen häufig sowohl ein klarer Gewaltbegriff als auch die notwendige Expertise.

Das Projekt hat zum Ziel, die Rolle des Gesundheitssystems zu stärken, und nimmt dafür drei Ebenen in den Blick: (i) die Vermittlungsfunktion von medizinischen Einrichtungen im Rahmen des Gewaltschutzsystems; (ii) die Gewaltprävention innerhalb des medizinischen Bereichs, etwa im Rahmen der Opferschutzgruppen in Krankenhäusern; sowie (iii) der Justiz – durch die Erstellung von psychiatrischen Gutachten als Sachverständige etwa bei Strafverfahren wegen schwerer Gewalt – zur Verfügung gestellte medizinische Expertise.

Ergebnisse des Projekts werden – neben einem Überblick über internationale wissenschaftliche Literatur zum Thema – ein „Fahrplan“ durch das Institutionengefüge der österreichischen Präventionslandschaft, verbunden mit Policy-Empfehlungen zum Schließen von Versorgungslücken sowie zur Implementierung „kurzer Wege“ zwischen bestehenden Angeboten der verschiedenen Akteur:innen sein. Qualitative Interviews innerhalb des Gesundheitssystems dienen als Basis für die Erarbeitung von internen Trainingsunterlagen.