{"id":2908,"date":"2021-05-04T13:01:21","date_gmt":"2021-05-04T13:01:21","guid":{"rendered":"http:\/\/test-ikf.online\/?page_id=2908"},"modified":"2021-05-04T13:01:44","modified_gmt":"2021-05-04T13:01:44","slug":"2003-sexuelle-gewalt-gegen-verfolgte-des-nationalsozialismus","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ikf.ac.at\/en\/schwerpunkte\/hist-sozialforschung\/frauen-ns-verfolgung-2\/2003-sexuelle-gewalt-gegen-verfolgte-des-nationalsozialismus","title":{"rendered":"2003: Sexuelle Gewalt gegen Verfolgte des Nationalsozialismus"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-atomic-blocks-ab-container alignfull ab-block-container\"><div class=\"ab-container-inside\"><div class=\"ab-container-content\"><div id=\"pl-gb2908-69e7613527414\"  class=\"panel-layout\" ><div id=\"pg-gb2908-69e7613527414-0\"  class=\"panel-grid panel-no-style\" ><div id=\"pgc-gb2908-69e7613527414-0-0\"  class=\"panel-grid-cell\" ><div id=\"panel-gb2908-69e7613527414-0-0-0\" class=\"so-panel widget widget_media_image panel-first-child panel-last-child\" data-index=\"0\" ><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2554\" height=\"10\" src=\"https:\/\/ikf.ac.at\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/linie_IKF.jpg\" class=\"image wp-image-754  attachment-full size-full\" alt=\"\" style=\"max-width: 100%; height: auto;\" srcset=\"https:\/\/ikf.ac.at\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/linie_IKF.jpg 2554w, https:\/\/ikf.ac.at\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/linie_IKF-300x1.jpg 300w, https:\/\/ikf.ac.at\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/linie_IKF-1024x4.jpg 1024w, https:\/\/ikf.ac.at\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/linie_IKF-768x3.jpg 768w, https:\/\/ikf.ac.at\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/linie_IKF-1536x6.jpg 1536w, https:\/\/ikf.ac.at\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/linie_IKF-2048x8.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2554px) 100vw, 2554px\" \/><\/div><\/div><\/div><\/div>\n\n\n<div style=\"color:#ddd\" class=\"wp-block-genesis-blocks-gb-spacer gb-block-spacer gb-divider-solid gb-divider-size-1\"><hr style=\"height:30px\"\/><\/div>\n\n\n<div id=\"pl-gb2908-69e7613527e47\"  class=\"panel-layout\" ><div id=\"pg-gb2908-69e7613527e47-0\"  class=\"panel-grid panel-no-style\" ><div id=\"pgc-gb2908-69e7613527e47-0-0\"  class=\"panel-grid-cell panel-grid-cell-empty\" ><\/div><div id=\"pgc-gb2908-69e7613527e47-0-1\"  class=\"panel-grid-cell\" ><div id=\"panel-gb2908-69e7613527e47-0-1-0\" class=\"so-panel widget widget_sow-editor panel-first-child panel-last-child\" data-index=\"0\" ><div\n\t\t\t\n\t\t\tclass=\"so-widget-sow-editor so-widget-sow-editor-base\"\n\t\t\t\n\t\t>\n<div class=\"siteorigin-widget-tinymce textwidget\">\n\t<table style=\"height: 100px; width: 100%; border-collapse: collapse;\" border=\"1\" cellpadding=\"2\">\n<tbody>\n<tr style=\"height: 24px;\">\n<td style=\"width: 15.8421%; height: 24px;\">Project management:<\/td>\n<td style=\"width: 84.1578%; height: 24px;\" colspan=\"2\">a.o. Univ.-Prof. Dr.<sup>in<\/sup> Erika Thurner<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15.8421%;\">\n<hr \/>\n<\/td>\n<td style=\"width: 50.319%;\">\n<hr \/>\n<\/td>\n<td style=\"width: 33.8388%; height: 24px;\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15.8421%;\">Implementation:<\/td>\n<td style=\"width: 84.1578%;\" colspan=\"2\">Mag. Dr. Stefanie Mayer<sup>a<\/sup> Helga Amesberger<br \/>\nMag. Dr. Stefanie Mayer<sup>a<\/sup> Katrin Auer<br \/>\nMag. Dr. Stefanie Mayer<sup>a<\/sup> Brigitte Halbmayr<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15.8421%;\">\n<hr \/>\n<\/td>\n<td style=\"width: 50.319%;\">\n<hr \/>\n<\/td>\n<td style=\"width: 33.8388%;\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15.8421%;\">Funded by:<\/td>\n<td style=\"width: 84.1578%;\" colspan=\"2\">Jubil\u00e4umsfonds der Oesterreichischen Nationalbank, Projekt Nr. 8746<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 15.8421%;\">\n<hr \/>\n<\/td>\n<td style=\"width: 50.319%;\">\n<hr \/>\n<\/td>\n<td style=\"width: 33.8388%; height: 24px;\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 24px;\">\n<td style=\"width: 15.8421%; height: 24px;\">Completed in:<\/td>\n<td style=\"height: 24px; width: 84.1578%;\" colspan=\"2\">Juni 2003<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>\n\n\n<div style=\"color:#404168\" class=\"wp-block-genesis-blocks-gb-spacer gb-block-spacer gb-divider-solid gb-spacer-divider gb-divider-size-1\"><hr style=\"height:3px\"\/><\/div>\n\n\n\n<div style=\"color:#404168\" class=\"wp-block-genesis-blocks-gb-spacer gb-block-spacer gb-divider-solid gb-divider-size-1\"><hr style=\"height:10px\"\/><\/div>\n\n\n<div id=\"pl-gb2908-69e761352879d\"  class=\"panel-layout\" ><div id=\"pg-gb2908-69e761352879d-0\"  class=\"panel-grid panel-no-style\" ><div id=\"pgc-gb2908-69e761352879d-0-0\"  class=\"panel-grid-cell panel-grid-cell-empty\" ><\/div><div id=\"pgc-gb2908-69e761352879d-0-1\"  class=\"panel-grid-cell panel-grid-cell-mobile-last\" ><div id=\"panel-gb2908-69e761352879d-0-1-0\" class=\"so-panel widget widget_text panel-first-child panel-last-child\" data-index=\"0\" >\t\t\t<div class=\"textwidget\"><p align=\"justify\">Im Mai 2000 wurde die Studie &#8220;Lebenserinnerungen. Eine Dokumentation \u00fcber die inhaftierten \u00d6sterreicherinnen im Frauenkonzentrationslager Ravensbr\u00fcck&#8221; abgeschlossen (1). Basierend auf den Studienergebnissen und den dort erhobenen Quellen (42 biographisch-narrative Interviews) sowie zus\u00e4tzlichen problemzentrierten Interviews wurden in dieser Folgestudie die Formen, Funktionen und Folgen sexualisierter Gewalt gegen Frauen w\u00e4hrend der NS-Verfolgung und KZ-Haft untersucht. Ausgehend von der Fragestellung, von welchen direkten und strukturellen Formen sexualisierter Gewalt Frauen im Zuge ihrer Verfolgung und Inhaftierung in Konzentrationslagern betroffen und bedroht waren, wurde das umfangreiche Oral History-Material der biographisch-narrativen und problemzentrierten Interviews mit \u00f6sterreichischen \u00dcberlebenden des Frauenkonzentrationslagers Ravensbr\u00fcck ausgewertet.<\/p>\n<p align=\"justify\">Als theoretische Fragestellung versuchten wir die Kl\u00e4rung, Abgrenzung und Definition des Begriffs\u00a0<em>sexualisierte Gewalt.<\/em>\u00a0In einer theoretischen und ideologiekritischen Auseinandersetzung stellten wir die Frage, inwiefern im nationalsozialistischen Kontext die Wechselwirkung zwischen nationalsozialistischen Ideologieelementen und Repressionen zu qualitativ spezifischen Formen von sexualisierter Gewalt in der Verfolgung f\u00fchrte. Zus\u00e4tzlich den Faktor Geschlecht in diesem Zusammenhang miteinbeziehend, folgt daraus die These, dass Art und Verlauf der sexualisierten Gewalttat Resultat der Wechselwirkung zwischen NS-Ideologie auf der einen Seite und dem biologischen Geschlecht des Opfers auf der anderen Seite war. Wir kamen zu dem Ergebnis, dass sich solche Verkn\u00fcpfungen in sexualisiert-frauenfeindlichen, -rassistischen und -antisemitischen, -eugenischen und -heterosexistischen Motiven und Funktionen manifestierten. Ergebnis der Differenzierung der sexualisierten Gewaltformen nach ihren ideologischen Motivationsstrukturen ist die Erkenntnis, dass im NS-Kontext sexualisierte Gewalt gegen Frauen nicht ausschlie\u00dflich als Ausdruck von Frauenfeindlichkeit begriffen werden kann. Wir untersuchten weiters, welche Formen der sexualisierten Gewalt \u2013 erlitten w\u00e4hrend der Zeit der Verfolgung \u2013 in den Lebensgeschichten der befragten \u00dcberlebenden vorkommen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Insgesamt umfasst der Forschungsbericht einen historischen \u00dcberblick und die Darstellung der ideologischen, strukturellen und politischen Kontexte der nationalsozialistischen Genderkonzepte, Sexual- und Bev\u00f6lkerungspolitik sowie der Binnenstruktur von Konzentrationslagern. Dem folgt die Diskussion und Definition des Begriffes\u00a0<em>sexualisierte Gewalt<\/em>, eine theoretische Auseinandersetzung und ideologiekritische Kategorisierung der Formen sexualisierter Gewalt sowie die Auseinandersetzung mit Sekund\u00e4rliteratur zum Thema\u00a0<em>Trauma<\/em>\u00a0und\u00a0<em>Coping Strategien<\/em>. Weiters beinhaltet die Studie die Darstellung und Analyse selbst- und miterlebter sexualisierter Gewalt gegen Frauen im Zuge von Gestapo-Verh\u00f6ren und der Aufnahmeprozedur in Konzentrationslagern, die symbolische Bedeutung von Haaren in den Lebensgeschichten der Frauen und die daraus resultierenden Implikationen des Haarescherens bei der Ankunft im KZ, das frauenspezifische Thema\u00a0<em>Menstruation<\/em>\u00a0w\u00e4hrend der KZ-Haft sowie einen Exkurs zu<em>\u00a0Intimit\u00e4t und Sexualit\u00e4t\u00a0<\/em>unter weiblichen KZ-H\u00e4ftlingen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Daran schlie\u00dft die Untersuchung von\u00a0<em>sexueller Ausbeutung von Frauen in NS-Konzentrationslagern<\/em>\u00a0an. Wir gingen zum einen der Frage nach, wie die historischen Bedingungen und Kontexte zu Prostitution im Nationalsozialismus sowie zu Zwangsprostitution und sexueller Ausbeutung in nationalsozialistischen Konzentrationslagern ausgesehen haben, und wie zum anderen Frauen, die von der SS sexuell ausgebeutet wurden, dies in ihren Lebensgeschichten darstellen, das hei\u00dft in welcher Form und in welchem Ausma\u00df es ihnen m\u00f6glich ist, dar\u00fcber zu erz\u00e4hlen. Die Darstellung der Lebensgeschichten und die Interpretation der Fallgeschichten von zwei Frauen, die von der SS sexuell ausgebeutet wurden, bilden daher den Schwerpunkt der Studie. Anhand dieser Fallgeschichten haben wir eine umfassende Analyse der Umst\u00e4nde, Zw\u00e4nge, Motive, Handlungsoptionen, Erlebnisse und des Umgangs der beiden Frauen mit dem Aspekt sexueller Ausbeutung und Zwangssexarbeit in ihrer Lebensgeschichte erreicht. Die beiden Frauen wurden unserer Erkenntnis nach von der SS regelm\u00e4\u00dfig und kontinuierlich sexuell ausgebeutet. Trotz dieser Gemeinsamkeit unterscheiden sich beide Frauen sowohl in der heutigen Darstellung ihrer Lebensgeschichten als auch in ihrem Umgang mit dieser Vergangenheit in vielen Aspekten.<\/p>\n<p align=\"justify\">Weiters wurde das Thema\u00a0<em>Schwangerschaft und Mutterschaft w\u00e4hrend der Verfolgung\u00a0<\/em>in Form einer historischen Darstellung der strukturellen Rahmenbedingungen f\u00fcr Geb\u00e4rende im KZ Ravensbr\u00fcck, der Fallgeschichte von Klara C., die w\u00e4hrend ihrer Haftzeit in Theresienstadt zwei Mal schwanger wurde, der Auseinandersetzung mit dem Thema\u00a0<em>Kinder als Repressalie oder (\u00dcber)Lebenskraft\u00a0<\/em>sowie den Auswirkungen von nichtlebbarer Mutterschaft w\u00e4hrend der Verfolgung auf das Leben der Frauen nach 1945 behandelt. Weibliche Geb\u00e4rf\u00e4higkeit wurde von den Nationalsozialisten oftmals gegen die Frauen eingesetzt. Kinder wurden als Repressalie missbraucht, schwanger zu sein oder als Mutter mit Kleinkindern in Vernichtungslagern anzukommen, bedeutete f\u00fcr die M\u00fctter und Kinder den sofortigen Tod. Unter KZ-Haftbedingungen schwanger zu sein und zu entbinden, hatte zus\u00e4tzliche Traumatisierungen zur Folge. Sowohl frauenfeindliche als auch antisemitische und rassistische Ideologeme bestimmten hier die Anwendung sexualisierter Gewalt.<\/p>\n<p align=\"justify\">Abschlie\u00dfend gingen wir der Frage nach der Bedeutung und Form von\u00a0<em>Ehe und Partnerschaft<\/em>\u00a0im Leben der \u00fcberlebenden Frauen, den Motiven zu heiraten oder nicht zu heiraten sowie dem\u00a0<em>generativen Verhalten<\/em>\u00a0der Frauen nach. Im Vergleich zu der in der Literatur bekannten These, dass rassistisch und antisemitisch Verfolgte in der Familiengr\u00fcndung und einer relativ gro\u00dfen Kinderzahl ein Symbol des Sieges \u00fcber die VernichterInnen sahen, ergab sich innerhalb unseres Samples das Ergebnis, dass neben dem Ausma\u00df der Traumatisierung bei rassistisch und antisemitisch Verfolgten auch die soziale Herkunft (b\u00e4uerliches Milieu) eine wesentliche Rolle in Bezug auf die Kinderanzahl spielt.<\/p>\n<p align=\"justify\">Im April 2001 erschien die zweib\u00e4ndige Publikation: Amesberger, Helga\/ Halbmayr, Brigitte: &#8220;Vom Leben und \u00dcberleben \u2013 Wege nach Ravensbr\u00fcck. Das Frauenkonzentrationslager in der Erinnerung.&#8221; Band 1: Dokumentation und Analyse, Band 2: Lebensgeschichten. Wien: Verlag Promedia 2001<\/p>\n<\/div>\n\t\t<\/div><\/div><div id=\"pgc-gb2908-69e761352879d-0-2\"  class=\"panel-grid-cell panel-grid-cell-empty\" ><\/div><\/div><\/div>\n\n\n<div style=\"color:#333\" class=\"wp-block-genesis-blocks-gb-spacer gb-block-spacer gb-divider-solid gb-spacer-divider gb-divider-size-1\"><hr style=\"height:100px\"\/><\/div>\n<\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":1320,"menu_order":36,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-2908","page","type-page","status-publish","hentry","post"],"featured_image_src":null,"featured_image_src_square":null,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ikf.ac.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2908","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ikf.ac.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/ikf.ac.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ikf.ac.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ikf.ac.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2908"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/ikf.ac.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2908\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2909,"href":"https:\/\/ikf.ac.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2908\/revisions\/2909"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ikf.ac.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1320"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ikf.ac.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2908"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}