Historische Sozialforschung

Frauen und NS-Verfolgung (insbes. Ravensbrück und Mauthausen)

"Meine Mama war Widerstandskämpferin."


Durchführung:    Mag.a Dr.in Helga Amesberger
Mag.a Dr.in Brigitte Halbmayr
Simon Clemens
Finanzierung:    Magistrat der Stadt Wien, Magistratsabteilung 7 – Kultur
Fertigstellung:    August 2018

"100 Jahre Demokratie in Österreich – 100 Jahre Republik in Wien" waren von einer folgenschweren Zäsur unterbrochen. Die Zeit des Austrofaschismus und Nationalsozialismus markiert zum einen den Niedergang eines jungen demokratischen Staates und dessen schlussendliche Auflösung, zum anderen steht sie auch für den Kampf um die junge Demokratie und gegen die Diktatur. Im Spannungsfeld von makropolitischen Entwicklungen und politischem Selbstverständnis auf individueller Ebene (Mikroebene) ist unser Forschungsprojekt angesiedelt.

Im Mittelpunkt stehen drei Frauen – Barbara (Hansi) Eibensteiner (kommunistischer Jugendverband), Gertrude Horn (jüdische Mischlingsliga) und Irma Trksak (tschechischer Widerstand) –, die sich in der Zeit des Austrofaschismus und nach der nationalsozialistischen Machtübernahme für den Erhalt der Demokratie engagierten und hierfür mit Konzentrationslagerhaft bestraft wurden. Ihre Widerstandsnetzwerke und ihre Rolle darin werden in jeweils einem Kapitel analysiert.

Zuvor erfolgt ein geschichtlicher Abriss über Österreich zwischen 1938 und 1945, in dem die politischen Rahmenbedingungen für (eine Sozialisation zum) Widerstand im Nationalsozialismus ausgeführt werden. Im Anschluss an die Darstellung der Widerstandsnetzwerke unternehmen wir eine Einordnung von deren Aktivitäten vor dem Hintergrund einer generellen Einschätzung der Widerstandstätigkeit in Österreich und würdigen im Besonderen die Leistungen von Frauen. In einem weiteren Kapitel erläutern wir die Frage, inwieweit Widerstand und Verfolgung das Leben der drei Frauen nach der Befreiung aus dem Konzentrationslager determiniert haben. Anhand der Themen Gesundheit, Beruf und Familie zeichnen wir die jeweiligen Lebenswege nach, gehen auf das weitere politische Engagement ein und fragen nach dem Demokratieverständnis der Frauen, die allesamt in kommunistisch orientierten Widerstandsgruppen aktiv waren.

Im abschließenden Kapitel widmen wir uns der Gegenwärtigkeit der Vergangenheit in den Familien der Widerstandskämpferinnen. Darin ergründen wir die Tradierung der Widerstands- und Verfolgungserfahrungen innerhalb der Familien, wobei dieser Prozess im gesellschaftlichen und individuell-biographischen Kontext betrachtet wird. Angehörige der nächsten Generation haben wir nach der Bedeutung der Aussage "Meine Mama war Widerstandskämpferin" für ihr Leben, ihre Einstellungen und Werthaltungen gefragt und in welcher Art und Weise die Widerstandstätigkeit der Mutter zu ihrer Politisierung, ihrem politischen Selbst- sowie ihrem Demokratieverständnis beigetragen hat.

Das durch den Jubiläumsfonds der Stadt Wien im Rahmen des Schwerpunktes "100 Jahre Demokratie in Österreich – 100 Jahre Republik in Wien" finanzierte Projekt ist eine Auseinandersetzung mit dem politischen Selbstverständnis und widerständigem Handeln als einer wichtigen Voraussetzung für den Fortbestand und die Weiterentwicklung der Demokratie.

"Meine Mama war Widerstandskämpferin" erscheint im Herbst 2019 im Picus-Verlag.