Historische Sozialforschung

Oral History und Erinnerungspolitik

Zeitlebens konsequent. Hermann Langbein (1912-1995). Eine politische Biographie.



Projektleitung:    Univ.-Prof. Dr. Anton Pelinka
Univ.-Prof. Dr.in Erika Thurner
Durchführung:    Mag. Katharina Demel
Mag. Dr. Brigitte Halbmayr
Finanzierung:    Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung
Zukunftsfonds der Republik Österreich
Nationalfonds der Republik Österreich
Fertigstellung:    Dezember 2011

Das Leben und Wirken Hermann Langbeins war auf das engste mit Auschwitz verbunden und wird es im kulturellen Gedächtnis auch bleiben. Zwei Jahre war Hermann Langbein im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau interniert; sein späteres Leben widmete er vorrangig der Erforschung dieses Schreckensortes. Und wann immer er seine Stimme zu anderen gesellschaftspolitischen Themen erhob, argumentierte er auf der Grundlage dessen, was er in Auschwitz erlebt und gesehen hatte.

Spätestens mit seinem Werk „Menschen in Auschwitz“ ordnete sich Hermann Langbein in die Reihe jener ein, die – wie er selbst Verfolgte des NS-Regimes – bis heute für eine wissenschaftliche Aufarbeitung oder literarische Reflexion der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik stehen: Margarete Buber-Neumann, Stéphane Hessel, Imre Kertész, Ruth Klüger, Eugen Kogon, Primo Levi, Hans Maršálek, Nico Rost, Germaine Tillion, Jorge Semprun, Elie Wiesel, Simon Wiesenthal – ehemalige Gefangene der Konzentrationslager Auschwitz, Buchenwald, Dachau, Groß-Rosen, Mauthausen und Ravensbrück.

Aber Hermann Langbein wurde nicht allein durch Auschwitz geprägt. Der gebürtige Wiener war auch jahrelanger überzeugter Kommunist, er war einsatzfreudiger Spanienkämpfer, unerbittlicher Lehrmeister, nimmermüder Streiter für Demokratie, politischer Aufklärer, moralische Autorität und liebevoller Familienvater. All diese Facetten eines ungewöhnlichen Lebens kommen in der Biographie über Hermann Langbein zur Sprache.

Zentrale Quelle für die Biographie war neben zahlreichen Interviews der Nachlass Hermann Langbeins. Die umfangreiche Dokumentation seiner Arbeit, die im Österreichischen Staatsarchiv gelagert ist, umfasst über dreihundert Ordner bzw. Kartons und zeugt von seinem immensen Fleiß: In erster Linie handelt es sich um Korrespondenzen (129 Ordner), aber auch um persönliche Notizen, Druck- und Zeitschriften, Zeitzeugenberichte, Prozessunterlagen, Adresskarteien, Manuskripte, Korrekturfahnen und Materialsammlungen zu seinen Publikationen. Bereits diese Aufzählung verdeutlicht, dass eine rigorose Auswahl schon bei der Materialsichtung notwendig war.

Die intensive Beschäftigung mit Hermann Langbein zeigt, dass er in und für Österreich – und darüber hinaus – vielen ein Vorbild war. Er war eine moralische Instanz, die Österreichs Umgang mit der Vergangenheit wichtige Impulse verliehen und Maßstäbe gesetzt hat, die auch in ferner Zukunft noch gelten werden.

Die Biographie ist im April 2012 im Verlag Braumüller, Wien erschienen.