... Fortsetzung    Ausgrenzung gestern und heute: Kontinuitäten der Stigmatisierung von gesellschaftlichen Randgruppen

Ausgangspunkt des Seminars war die nationalsozialistische Verfolgung von als "Asoziale" stigmatisierten Menschen. Anhand dieses Referenzrahmens wurde den Kontinuitäten der Stigmatisierung in aktuellen Diskursen über und Bildern von "Asozialität", "Arbeitsscheu" oder "amoralischem Lebenswandel" nachgegangen. Dass damit verbundene (Ausgrenzungs-)Diskurse bis heute nicht an Wirkmächtigkeit verloren haben, hat nicht zuletzt mit der mangelnden gesellschaftlichen Auseinandersetzung und Aufarbeitung der Geschichte dieser Opfergruppe zu tun. Vor diesem Hintergrund wurden im Seminar die Fragen erörtert, inwiefern in den aktuellen Diskursen über Migration/Flucht/Asyl, Bettelei, "Sozialmissbrauch"/"Sozialschmarotzer_innentum" im Nationalsozialismus geschaffene Bilder bis heute fortwirken und welche Möglichkeiten der Gegensteuerung es gibt. Ein vertiefender Blick auf aktuelle Abwertungen von Bettler_innen, Roma und Sinti sowie Obdachlosen wurde insbesondere mit lokalen Bezügen geleistet.

Die historische Dimension von "Asozialität" erläuterten die beiden LV-Leiterinnen Amesberger und Halbmayr sowie die Gastreferentin Julia Hörath vom Hamburger Institut für Sozialforschung. Der Bogen zur Gegenwart wurde mit dem Film von Heike Rode über die als "Asoziale" verfolgte Maria Potrzeba ("…dass das heute noch immer so ist – Kontinuitäten der Ausgrenzung") gespannt. Aktuelle Bezüge stellten die Gastreferentin Elke Rajal, die sich mit "Asozialität" als Thema der Politischen Bildung und Möglichkeiten der didaktischen Umsetzung beschäftigte, sowie Ulli Gladik mit ihrem Film "Natasha. Porträt einer bulgarischen Bettlerin" her.

Den Studierenden wurde mit dieser Lehrveranstaltung die Langlebigkeit und gleichzeitig Variabilität von gesellschaftlichen Ausgrenzungs- und Stigmatisierungsprozessen vermittelt, wobei nicht nur deren strukturellen Grundlagen, sondern auch die Folgen für die Betroffenen ebenso wie für den gesellschaftlichen Zusammenhalt im Vordergrund standen.

CPDC