... Fortsetzung    "Asozialität" als Thema der Politischen Bildung – Kontinuitäten der Stigmatisierung von vermeintlich "Leistungsunwilligen"

Ausgangspunkt der Lehrveranstaltung war die nationalsozialistische Verfolgung von Menschen, die als "Asoziale" stigmatisiert wurden. Diesem Themenschwerpunkt widmeten sich die Vorträge der beiden ersten Termine: Julia Hörath vom Hamburger Institut für Sozialforschung widmete sich den "Asozialen" und "Berufsverbrechern" in den Konzentrationslagern 1933 bis 1938. Daran anschließend diskutierten Sylvia Köchl, Politikwissenschafterin und Journalistin in Wien, und Andreas Kranebitter, wissenschaftlicher Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, mit der Referentin und fokussierten dabei auf die Verfolgungssituation in Österreich ab 1938. Helga Amesberger und Brigitte Halbmayr gingen in ihren Vorträgen der Verfolgung von Frauen als "Asoziale" während des Nationalsozialismus und den Kontinuitäten der Ausgrenzung nach 1945 nach. Der Linguist Markus Rheindorf fokussierte in seinem Vortrag auf Diskurse der Abwertung in der österreichischen Politik. Ferdinand Koller übertitelte seine Ausführungen "Schulterschluss gegen kriminelle Bettler-Banden" und analysierte die antiziganistischen Diskurse in Österreich. Ulli Gladik war mit ihrem Film "Natasha. Porträt einer bulgarischen Bettlerin" zu Gast. Ein weiterer Film, nämlich "…dass das heute noch immer so ist – Kontinuitäten der Ausgrenzung" von Heike Rode, thematisiert die Ausgrenzungserfahrungen von Maria Potrzeba, die als junge Frau im Jugendkonzentrationslager Uckermark inhaftiert war, und den Umgang ihrer Nachkommen sowie ihres Herkunftsorts mit den spezifischen Erfahrungen der als "asozial" im Nationalsozialismus verfolgten Frau. Die Wiener Politologin und Mitarbeiterin am IKF Elke Rajal widmete sich der Thematisierung von "Asozialität" in der Politischen Bildung und zeigte Möglichkeiten der didaktischen Umsetzung auf. Im Vortrag von Judith Goetz, Literatur- und Politikwissenschafterin, standen Sozialdarwinismus, Klassismus und Rechtsextremismus im Zentrum der Auseinandersetzung wie auch Möglichkeiten der Thematisierung von Abwertungsdiskursen gegenüber vermeintlich "Leistungsunwilligen" in der Schule. Den Schlusspunkt der Vortragsreihe setzte Susanne Gerull, Professorin an der Alice Salomon Hochschule Berlin, mit ihrem Fokus auf Obdachlosigkeit und deren gesellschaftlicher Stigmatisierung bis hin zur Hasskriminalität.

In den Diskussionen sowie in den von den Studierenden zu verfassenden schriftlichen Arbeiten standen die Thematisierung von Ausgrenzung gesellschaftlicher Randgruppen im Schulalltag und die dafür geeignete Methodik und Didaktik im Zentrum, sowie die Frage, welchen Beitrag Politische Bildung zur Bearbeitung von im Nationalsozialismus geschaffenen Bildern, die bis heute fortwirken, leisten kann.

CPDC